KOKITU - Sportschule für Kitas und Schulen - Koordinatives Kinder-Turnen

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Zirkusbericht Ikarus GS Sommer 2012

Berichte

Unsere Kokitu-Zirkuswoche in der Ikarus-Grundschule (25.06.-29.06.2012)

Unsere Zirkuswoche
In der Woche vom 25. bis 29. Juni 2012 kamen in der Turnhalle der Ikarus-Grundschule 10 Kinder der Klassen 1-4 zusammen, um für eine Woche gemeinsam Zirkus zu machen. Begleitet und angeleitet wurden sie von Erzieher Matthias (Clownarbeit), dem Kokitu-Praktikanten Patrick und von mir, Sabrina (Zirkuspädagogin und Kokitu-Trainerin).
Von Montag bis Donnerstag übten wir jeden Nachmittag dreieinhalb Stunden lang für die freitägliche Aufführung. Der Tag begann immer mit einem Begrüßungskreis, einem Bewegungsspiel und einem gemeinsamen Aufwärmtraining.
Anschließend verließen uns die Clowns, um mit Matthias separat zu arbeiten. Die anderen Kinder durften nach eigener Wahl im Jonglierworkshop Bälle, Ringe und Tücher durch die Luft wirbeln lassen, oder im Fasslauf-Workshop auf großen Fässern balancieren.
Nach einer kleinen Pause ging es dann im nächsten Workshop hoch hinaus: Jongleurinnen und Fassläuferinnen trainierten zusammen am Trapez. Danach stießen die Clowns wieder zu uns. Gemeinsam übten wir im Akrobatik-Workshop, einander zu halten und zu tragen. So ließen wir menschliche Pyramiden entstehen.
Der Tag endete immer mit einem Spiel, dass sich die Kinder selbst aussuchen konnten. Außerdem werteten wir das Training in einem gemeinsamen Abschlusskreis aus: Jedes Kind erzählte kurz von seiner persönlichen „Zitrone“ (einem unerfreulichen, „sauren“ Erlebnis, dass ihm heute nicht so sehr gefallen hatte) und von seiner „Orange“ (einem tollen, „süßen“ Erlebnis, dass ihm heute besonders gut gefallen hatte).

Der Montag
Der Montag war der Tag des großen Kennenlernens: Wir Trainer lernten die Gruppe kennen und die Kinder, die einander schon kannten, probierten zum ersten Mal in den Workshops die verschiedenen Zirkusdisziplinen aus. Während die beiden Jungen aus der ersten Klasse sich für den Clown-Workshop entschieden, ordneten sich die acht etwas älteren Mädchen dem Jonglier- und dem Fasslauf-Workshop zu. Das passte ganz genau, da vier Mädchen am liebsten jonglieren und vier Mädchen am liebsten fasslaufen wollten.
Alles war noch neu und ungewohnt an diesem Tag: Die Fässer erwiesen sich als viel wackeliger als sie aussahen – und darauf zu laufen war eine ganz neue, spannende Erfahrung für die meisten Kinder. (Nur zwei Kinder kannten das schon ein wenig, weil sie schon mal auf einer Laufkugel gestanden hatten.) Die Jongleure probierten alle möglichen Requisiten aus. Einige fanden gleich etwas, das ihnen gefiel, bei anderen machte sich erst einmal ein wenig Frust breit, weil das Jonglieren doch gar nicht so einfach war und sie erst mal keine schönen Tricks fanden, die zu ihnen passten.
Das Trapez war für die ganze Gruppe komplettes Neuland. Wir übten erst einmal an der Sprossenwand, richtig zu hängen, ohne dass dabei die Schultern überstrapaziert wurden. Dann lernten wir, wie man auf ein Trapez hinaufklettert und sicher wieder herunter kommt. Und wir probierten in Teams die ersten kleinen Partnertricks aus. Für viele Kinder war das Trapeztraining ganz schön anstrengend, aber gleichzeitig auch so faszinierend, dass alle mit einem tollen Durchhaltevermögen bei der Sache waren.
Im Pyramidenbau brachten einige Kinder schon erste Erfahrungen mit. Wir arbeiteten erst mal mit dem klassischen Grundbaustein vieler Pyramiden, der „Bank“. Zusammen erarbeiteten wir, was eine stabile Bank ausmacht und auf welchen Körperteilen der Bank man stehen darf. Anschließend bauten wir eine große Pyramide mit allen Kindern (die „Riesenpyramide“) und noch eine kleinere, schwierige Pyramide (die „kleine Schachtel“).
Auch die Zusammenarbeit in der Gruppe und die Regeln des Trainings waren für die Kinder neu. Darum gab es am Montag einige Situationen, mit denen es nicht immer allen gut ging, wie zum Beispiel Streitigkeiten, Unachtsamkeit und gegenseitiges Auslachen. Es war ein Tag mit ebenso vielen Zitronen wie Orangen.

Der Dienstag
Im Begrüßungskreis überlegten wir, wie wir es schaffen könnten, dass alle die Woche genießen könnten und dass am Freitag alle sowohl körperlich als auch psychisch in der Lage wären, eine schöne Vorstellung zu geben. Wir einigten uns auf zwei weitere Regeln: Wir wollten aufpassen, bevor wir ein Fass rollten, ein Rad schlugen oder Ähnliches, ob vielleicht ein anderes Kind in unserer Bahn unterwegs ist. Und wir wollten nur Dinge tun, die anderen ein gutes Gefühl geben. Wenn wir das gerade nicht könnten, zum Beispiel, weil wir zu wütend auf jemanden wären, würden wir ihm so lange aus dem Weg gehen. Mit diesem beiden Regeln wurde die ganze restliche Woche zu einem entspannten Miteinander und die Gruppe zu einem Team. Gewiss gab es in der Umkleide noch kleinere Meinungsverschiedenheiten und manchmal die eine oder andere Unachtsamkeit. Aber das waren seltene und kleine Zwischenfälle, die meist aufgeklärt werden konnten und nicht mehr heftig eskalierten. Alle gingen viel respektvoller mit den anderen, ihren Eigenarten und ihren Leistungen um – und das war sehr angenehm.
Die Jongleurinnen die gestern noch ein bisschen unglücklich waren, bekamen heute neue Tricks gezeigt, die gut zu ihnen passten und waren sofort Feuer und Flamme. Im Joglierworkshop wurde nun mit Eifer geübt. Im Fassworkshop ging es ähnlich zu: Die ersten beiden Mädchen durften nun allein laufen und sich dabei gegenseitig sichern, während die anderen beiden Mädchen noch mit mir übten, bis auch sie sicher waren.
Am Trapez dagegen fanden viele Kinder heraus, dass die gestern angefangenen Tricks doch gar nicht so gut zu ihnen passten – also stellten wir das Programm ein bisschen um und probierten andere Tricks aus, die den Kindern besser zusagten. Der Akrobatik-Workshop war nach so einem arbeitsintensiven Tag für alle ein bisschen anstrengend und war nicht so ergiebig wie am Montag. Aber er brachte trotzdem eine neue Pyramide: Die Kinder lernten gemeinsam, die „Treppe“ zu bauen.

Der Mittwoch
In der Regel ist die Konzentration während einer Zirkuswoche Mittwochs am niedrigsten. Man kennt jetzt schon alles, die ersten Sachen werden langweilig und die Aufführung liegt gefühlt noch in weiter Ferne. In dieser Zirkuswoche war das allerdings komplett anders: Der Mittwoch war für mich der Tag, an dem wirklich alle in allen Workshops ihren Platz gefunden hatten und mit besonderer Begeisterung an ihren Tricks arbeiteten. Die Atmosphäre war konzentriert und geschäftig.
Die Jongleure „puzzleten“ fleißig ihre gelernten Tricks zu kleinen Sequenzen zusammen, aus denen später ihre Nummer entstehen sollte. Auch ein Waveboard wurde in die Nummer integriert. Im Fassworkshop waren nun alle Kinder so weit, alleine zu laufen. In Partnerteams übten sie die ersten Tricks und dachten sich die Abläufe für ihre Nummer aus. Die Kinder stiegen auf dem Fass durch Hula Hoop-Reifen oder liefen mit Jongliertüchern in den Händen. Sowohl die Jongleurinnen, als auch die Fassläuferinnen hatten viele tolle Ideen und waren ganz engagiert dabei, diese in die Tat umzusetzen.
Am Trapez fühlten sich die Kinder nun immer wohler. Jedes Kind hatte nun ein bis zwei Tricks gefunden, mit denen es ihm gut ging und übte diese Tricks mit Ehrgeiz und Spaß. Auch die Pyramiden wurden immer sicherer und schöner. Mit dem „Stuhl“ kam am Mittwoch noch eine weitere Pyramide dazu. Außerdem versuchten wir uns darin, als Gruppe eine eigene Pyramide zu erfinden. Hier stand nicht so sehr das Ergebnis im Vordergrund, sondern vielmehr die Interaktion im Team und der Spaß am Ausprobieren.

Der Donnerstag
Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Zirkusnummern. Jetzt ging es darum, all das Gelernte endgültig zu Darbietungen zusammenzufügen und diese dann ganz oft zu proben. Das war manchmal anstrengend, aber vor Allem sehr beflügelnd – besonders dann, wenn eine Nummer gut genug war, um zum ersten Mal mit Musik geprobt zu werden. Die Musiken für die Nummern hatten die Kinder schon am Mittwoch selbst ausgesucht.
Die Fassläuferinnen und die Jongleurinnen „puzzleten“ und probten was das Zeug hielt. Anschließend durften sie sich gegenseitig ihre Nummern vorspielen – ein ziemlich besonderer und aufregender Moment. Beide Nummern waren sehr schön geworden und die Gruppen waren stolz.
Im Trapezworkshop starteten wir gleich damit, die Tricks in der Auftrittsreihenfolge zu üben. Dann folgte auch schon die erste Durchlaufprobe. Und ich war riesig überrascht, wie gut meine Trapez-Mädels mittlerweile waren! Sie wussten sofort die Reihenfolge auswendig und waren sicher bei der Ausführung ihrer Tricks.
Nach so einem intensiven Tag musste die Gruppe noch mal ihre letzten Energiereserven zusammennehmen, um sich auf die Pyramidennummer zu konzentrieren. Eine Pyramidennummer fordert das Gedächtnis ganz schön heraus, weil man nicht nur die Reihenfolge der Pyramiden, sondern auch seine eigene Position in jedem einzelnen Bauwerk auswendig kennen muss. Nur wenn alle das schaffen und notfalls auch für die anderen mitdenken, wird die Nummer schön. Obwohl die Gruppe schon sehr erschöpft war, haben sich alle noch einmal voll angestrengt. Und so konnten wir auch die Pyramidennummer tatsächlich noch mit einem neuen Anfang, einem schönen Ende und mit Musik durchspielen. Echt gut!

Der Freitag
Am Freitag trafen wir uns schon vormittags. Die Turnhalle sah jetzt ganz anders aus: Über Nacht hatte sie sich in eine Bühne verwandelt auf der die Landschaft einer einsamen Insel zu sehen war – passend zu unserer Show. Am Morgen ging es erst einmal darum, einigen Nummern den „letzten Schliff“ zu geben: Wir veränderten die Jongliernummer noch einmal so, dass alle Kinder gut zu sehen waren und die wichtigen Tricks vorne im Fokus der Zuschauer passierten. Die Clowns und Fassläuferinnen übten derweil noch einmal für sich. Etwas später machte sich in der hinteren Hallenecke große Aufregung breit: Eine kleine Babymaus hatte sich in die Halle verirrt! Alle Kinder mussten sie anschauen und die Maus bekam sofort einen Namen: Linda. Wir setzten Linda in eine Kiste und Matthias machte sich auf, sie in die Freiheit zu entlassen.
Dann konnte endlich die Generalprobe losgehen. Mit viel Konzentration und Elan spielten wir einmal die ganze Show durch. Zum ersten Mal konnten die Mädchen die Sketche der Clowns sehen und die Clowns sahen zum ersten Mal, was die Mädchen in der Jonglage, auf dem Fass und am Trapez erarbeitet hatten. Es herrschte eine schöne, gespannte Stimmung und die Generalprobe verlief reibungslos gut.
Im Anschluss blieb uns noch etwas Zeit, die wir frei gestalten konnten: Die Jongleurinnen durften sich mal im Fasslaufen versuchen und am Trapez probierten viele Kinder die Tricks der anderen Kinder aus. Dabei fiel mir auf, wie viel mutiger die Kinder nun geworden waren. Das war sehr schön.
Nach einer Mittagspause, deren Ende viele Kinder kaum erwarten konnten, ging es ans Eingemachte: Die Halle füllte sich mit Eltern, Freunden und Schülern aus der Hildebrand-Grundschule. Nun wurden die ArtistInnen langsam mächtig nervös. „Ich kündige!“ sagte ein Mädchen im Spaß zu mir, als auf einmal so viele bekannte Gesichter die Halle stürmten. Und dann ging es los…
Unsere Show hieß „die einsame Insel“. Sie erzählte die Geschichte von zwei Clowns, die auf dieser Insel strandeten und dort auf ein recht seltsames Volk von Ureinwohnerinnen trafen. Nach und nach freundeten sich die Clowns mit dem Urvolk an, bis ein Schiff gesichtet wurde, dass die Clowns wieder nach Hause bringen würde…
Wir hatten eine richtig schöne Aufführung, die den Zuschauern, den Kindern und auch uns als Team sehr viel Freude bereitete. Alle Tricks und Nummern haben gut geklappt und es gab viele schöne Momente in der Show. Wir bekamen ganz viel Applaus und alle Kinder waren sehr stolz. Das war ich allerdings auch J!

Mein Fazit der Woche
Zum Schluss noch meine Zitronen und Orangen unserer Zirkuswoche: Es gab für mich zwei Zitronen und einen ganzen Korb voller Orangen. Meine eine Zitrone war, dass in der Show das Ende unserer Geschichte ein bisschen untergegangen ist und nicht ganz klar wurde, dass die Ureinwohner ein Schiff gesichtet haben mit dem die Clowns nach Hause kommen. Der Fehler hierfür lag in meiner Regie. Schade, aber sei es drum. Meine zweite Zitrone hing damit zusammen, dass aufgrund der Anmeldungszahl nur eine Nachmittagsgruppe zustande gekommen ist. Dadurch dass es nur eine Gruppe gab und diese die ganze Palette an Zirkusdisziplinen geübt hat, waren unsere Tage ganz schön „vollgestopft“ mit Inhalt. Beim Pyramiden-Workshop waren immer schon alle sehr erschöpft. Ich hätte es schöner gefunden, wenn mehr Zeit für die Pyramiden dagewesen wäre und wenn auch eine feste Zeit im Tagesablauf für Tricks wie Radschlag, Kopfstand und Handstand möglich gewesen wäre. Das hätte ich gerne mehr mit der Gruppe geübt als nur so „zwischen Tür und Angel“, weil viele Kinder daran große Freude hatten.
Meine Orangen sind viel mehr als ich mit zwei Händen tragen kann. Riesige Orangen waren die Freude und Begeisterung der Zirkuskinder, all ihre tollen Ideen, all die Tricks sie gelernt haben, unsere schöne Show… Auch Matthias war eine große Orange. Seine gute, fundierte Clownarbeit hat die Woche und die Show sehr bereichert. Unser Teamwork hat es ermöglicht, so eine gute Geschichte wie die der einsamen Insel auf die Beine zu stellen. Danke Matthias für diese tolle Zusammenarbeit! Meine süßeste Orange aber war, zu sehen, wie sich die Gruppe entwickelt hat: Viele Kinder sind mutiger geworden und haben sich im Laufe der Woche immer mehr zugetraut. Am Montag dachte ich noch: „Puh, das ist eine ganz schön heikle Gruppe, da wird es bestimmt noch Streit und Ärger geben…“ Aber beides blieb aus. Stattdessen hat sich die Gruppe zu einem tollen Team entwickelt, dass super zusammengearbeitet hat, respektvoll miteinander umgegangen ist und irrsinnig viel zu geben hatte. Ihr Zirkuskinder, ich danke euch für diese tolle Woche! Es war mir eine Freude, mit euch zu arbeiten und ich würde gern einmal wiederkommen…




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